Montag, 30. März 2015

Zum Raubbau an der zentralen Ressource der Wissensgesellschaft

Der SP-Landesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler zeigte sich hoch erfreut, dass die SPÖ mit Senol Akilic einen ausgewiesenen Integrationsexperten gewonnen habe. Dass der Zeitpunkt des Wechsels nicht als zufällig bezeichnet werden kann, liegt auf der Hand: An diesem Tag hätte die Kampfabstimmung in Sachen Wahlrechtsänderung statt finden sollen. Mit Akilic konnte die SPÖ das verhindern. Wir gratulieren.


Auch der Bürgermeister, Michael Häupl, war hoch erfreut. Warum eigentlich? Blöde Frage - die Macht der SPÖ scheint vorerst gesichert - und die Ambitionen der Grünen wurden in die Schranken gewiesen. Nachhaltig. Am Samstag bestätigte Maria Vassilakou, dass die Grünen in der Regierung bleiben und ihre Arbeit fortsetzen werden. Die SPÖ gestärkt, die Grünen am Boden. Alles bestens.

Könnte man meinen, aus Häupls Perspektive - und ergänzen: It's politics, stupid. Christoph Chorherr hielt rund um die Debatte um die politische Verantwortung bei der Hypo fest, dass das nur bedeutet, das jemand die Macht habe, etwas zu tun (seine Ausführungen haben sich nun in Senol Akilic recht nachdrücklich manifestiert). Vergessen wurde in dieser Argumentation der Auftrag. Vergessen wurde, dass die MandatarInnen einen Auftrag der WählerInnen entgegen nehmen - der da bestimmt nicht darin liegen kann, dass der/die einzelne persönliche Gewinnmaximierung betreibt (im Fall von Herrn Akilic über € 690.000,- auf fünf Jahre gerechnet, auf Grund des fixen Mandats in der nächsten Regierung). In postmoralischen Zeiten sollte uns das allerdings nicht wundern, die einzige Fragestellung, die noch Relevanz hat, lautet: Legitim oder legal.

Absurd erscheint allerdings dann das Räsonnement darüber, dass die Bevölkerung kein politisches Interesse mehr zeige - weshalb sollte es? Wenn der Bartleby in einem heftig plärrt, I would prefer not to, wem sollte noch vertraut werden? Wolf Lotter hielt im brand eins fest, Vertrauen sei die zentrale Ressource in der Wissensgesellschaft - was wenn diese Ressource am Ende nicht mehr vorhanden sein sollte?

Mittwoch, 25. März 2015

Joachim Meyerhoff las...

...und zwei Stunden verflogen - während denen die Toten (wieder) flogen , Spuren hinterließen, Bilder, Sätze, Gerüche, Farben - und Meyerhoff spricht sie, gibt ihnen Ton und Gestalt - und sie erstanden im voll besetzten Kasino am Schwarzenbergplatz, tanzten, schwatzten, schwitzten: lebten! Wieder!


Meyerhoffs Talent in Sachen Literatur besteht unzweifelhaft darin, Dinge, Personen, Situationen beispiellos konkret werden zu lassen, ohne den Fehler zu machen, zu genau zu werden. Meyerhoff ist die Antithese zum Voyeurismus. Er lässt den Dingen, Personen, Situationen ihre Würde, respektiert sie, lacht mit ihnen, freut sich über sie, über ihre bloße Existenz in seiner fantasierten, rekonstruierten.

Was ist Erinnerung? Was ist Autobiographie? Bei Urs Widmer heißt es: "Hunderttausend Mosaiksteine aus dem Steinbruch der Wirklichkeit, der Erinnerung, zusammengesetzt zu etwas, was eine neue Realität ist, die erfundene Wahrheit, die oft wahrer ist als die wirkliche."
Letztlich geht es, um die Lust am Erzählen, die Lust an der eigenen Erzählung - und also: Um Selbstermächtigung.

Dienstag, 24. März 2015

Andreas Altmann: Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend


Charles Bukowski soll zu seinem Verleger John Martin, inzwischen 56-jährig, gesagt haben, "ich glaube nicht, dass ich dieses Kindheits-Ding jemals schreiben kann. Vielleicht wenn ich siebzig bin." Mit 60 veröffentliche er Das Schlimmste kommt noch, oder fast eine Jugend.


Andreas Altmann musste 62 werden, um sein Kindheits-Ding zu schreiben: Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend. Warum er es jetzt geschrieben habe? Weil ich es konnte, sagt er im Interview. Seit er den bayerischen Wallfahrtsort Altötting verließ, wo er seine Fast-Jugend und Nicht-Kindheit verbrachte, sind mehr als 40 Jahre vergangen. Als Altmann für die Recherche zurück nach Altötting fährt, findet er die katholische Hochburg unverändert, es riecht nach wie vor nach ungelebtem Leben.

Altmanns Buch ist eine Abrechnung. Oder Aufrechnung: Es rechnet auf, was Krieg und Katholizismus und bigotte Kleinstädterei, die Unkultur der Provinz und ihre Kleingeistigeit aus seinem Vater machten, nämlich den Rosenkranzkönig. Und aus seiner Mutter: Eine Leibeigene. Gleichzeitig rechnet das Buch mit allen Beteiligten ab: In erster Linie natürlich mit dem nur über Prügel und Befehle existierenden Vater, mit der sich aufgegeben habenden Mutter und dem sadistischen Lehrkörper. Übrig blieb ein Mensch, der davon überzeugt war, ein Versager zu sein.

Das Buch ist demzufolge auch eine Entwicklungsgeschichte: Vom Opfer zum Tatmenschen. Der Hass, die Wut müssen umgelenkt, kanalisiert und produktiviert werden. "Ja, du kommst davon! Nein, du musst nicht zerbrechen! Nicht der Herrgott erlöst dich, sondern deine Lebenswut", sagt Altmann im Interview. Der magische Moment ist derjenige, wo diese Wut in Mut umschlägt. Der Blick, die Perspektive wechselt. Bei Bukowski heißt es: "Ich empfand keinen Haß mehr. Nur noch ein ungläubiges Staunen, daß es so etwas wie ihn geben konnte." 

Mitunter vermeint man auch bei der Lektüre von Altmanns Buch, jenes Staunen zu spüren, in diesen immer wieder kehrenden Sentenzen von Grausamkeit und Enttäuschung, von Sadismus und Gemeinheit, von Schmach und Schande. So als müsste sich Altmann selbst davon überzeugen, sich selbst dar- und vorstellen, was passierte. Was ihm passierte. Und damit: Wer er ist - Selbsterkenntnis-Literatur. Und die ist selbstredend selbstgerecht. Muss sie auch sein. Das ist Ziel der Übung - und gleichzeitig Schwachstelle. Um dem literarischen Anspruch zu genügen, bräuchte es mehr Distanz - insbesondere zum erzählenden Ich - und bräuchte es (auch) eine weitere Perspektive.


Dienstag, 17. März 2015

American Sniper - bist Du Schaf, Wolf oder Hund?

Clint Eastwood sagte, er wolle American Sniper nicht als Verherrlichung des Irakkriegs verstanden wissen. Und nein, so wirkt der Film auch nicht. Chris Kyle (Bradley Cooper), die auf einer wahren Geschichte beruhende Figur, ist zwar ein Patriot, einer, der sein Land liebt und in der Sekunde zwischen Gut und Böse unterscheiden kann - und das steht nie zur Disposition. Allerdings gelingt Eastwood das Kunststück, durch die komplette Weglassung jedes politischen Kontexts, die Schlusspointe so zu erhöhen, dass die Ermordung Kyles durch einen Veteranen zum absoluten Höhepunkt gerinnt: Die USA führen Krieg gegen sich selbst.


Der der Story inhärente Höhepunkt, der in Wildwestmanier ausgetragene Zweikampf zwischen Kyle und seinem Scharfschützen-Pendant Mustafa auf irakischer Seite gerät dabei in den Hintergrund, ist so wenig relevant wie Mustafa als Person.


In der Anfangssequenz sieht man Kyle, wie er auf einen kleinen Buben und eine junge Frau zielt, sie steckt ihm eine Granate zu. Noch bevor Kyle abdrückt, gibt es einen Schnitt und wir sehen Kyle als Buben mit seinem Vater auf Jagd. Und der Vater erklärt ihm, dass es drei Arten von Menschen gäbe: Die Schafe, die Wölfe und die Hunde. Die Opfer, die Täter und diejenigen, die die Opfer beschützen wollen. Und er, der Herr Papa, dulde weder Opfer noch Täter. No, sir. Easy demnach. Der Bub wird Beschützer und schießt im nächsten Moment den Buben über den Haufen, dann die junge Frau. Was im Irak ganz leicht fällt, wird auf den Heimaturlauben zum Spießrutenlauf. Sprinkleranlagen werden als Angreifer interpretiert, der Rasenmäher als Bedrohung. Im Krankenhaus, wenn Kyle zur Schwangerschaftsuntersuchung mit seiner Frau dort ist, hat er einen Blutdruck von 170:110. Er ist im Krieg. Und wird immer im Krieg sein.

Der war on terror ist wieder in den USA angelangt und es werden einmal mehr bittere Tränen vergossen.

Donnerstag, 5. März 2015

David Wagner: Meine nachtblaue Hose - oder der westdeutsche Hosenblues


Wenn die nachtblaue Hose schließlich vor ihm liegt, abgetragen und zerschlissen, liegt mit ihr ein Stück seine Lebens vor ihm. Ebenso abgetragen und zerschlissen, des Lacks und Anstrichs beraubt, nackt und bloß, alle Makel ausgestellt, die einem zu Beginn noch als schmückend vorkamen. Ein Stück Leben kulminierend in einer Beziehung zu Fe, mit der er zusammen in der Umkleidekabine steht, vor ihnen die nachtblaue Hose. Eine passende Hose kann glücklicher als alles andere machen, sagt sie und beide wissen, dass sie nicht von der Hose spricht.
Zusammensein ist auch nur ein Spiel um eine Reihe von Verstellungen herum, ein kürzer oder länger dauerndes Mißverständnis (...).
Wo er früher noch zu weinen begonnen hätte oder eben versucht hätte, nicht zu weinen und sich den Wein-Vorgang in seinem Ablauf zu vergegenwärtigen versucht hätte -
(...) die Gefühlsverflüssigung beginnt hinter den Augen und füllt den Tränentank, der die Augäpfel aus zwei Kammern bewässert (...)
- erübrigt sich in der Umkleidekabine diese Notwendigkeit: Die Traurigkeit weicht einer Melancholie, die Vergangenheit ist und bleibt vergangen, was bleibt, ist Erinnerung an eine Kunststoffkindheit und Jugend in Westdeutschland in den 70ern und 80ern, was bleibt, ist Leere. Jene Leere, der Christian Kracht in Faserland eine Reise angedeihen lässt...



die unvereiratete - oder wenn Elektra nicht elektrisch ist

Die Geschichte einer Denunziation in den letzten Kriegstagen des zweiten Weltkriegs: Eine junge Frau hört einen Soldaten am Telefon, wie er vom Desertieren spricht und meldet es. Woraufhin der junge Mann zum Tod am Strang verurteilt wird. Und sie kurz darauf wegen Denunzierens zu 12 Jahren Haft.


Ewald Palmetshofer macht sich in die unverheiratete auf die Suche nach der Ursache, Robert Borgmann setzt in Szene: Was trieb die Frau dazu, den jungen Mann in den letzten Kriegstagen noch in den Tod zu schicken? Männer sind und bleiben Leerstelle in Palmetshofers Abhandlung, sind und bleiben Anstoß und Ursache für ewiges, sich permanent wiederholendes Unglück, das sorgfältig von Großmutter zu Tochter und Enkeltochter weiter gereicht wird. Die Erde bleibt fruchtbar. Borgmann grundiert die Bühne mit Erdhaufen, Schützengräben, Grabhügeln? Beleuchtet mit hunderten Neonröhren, rote Vorhänge fallen, wie Schwälle von Blut, dazwischen Plastik.


Wo das Stück zerfasert, sich in Kalauern und Monologen verliert, setzt Borgmann auf starke Bilder. Und hervorragende Schauspielkunst. Elisabeth Orth gibt ganz famos die Alte, Christiane von Poelnitz die Mittlere und Stefanie Reinsperger die Junge. Als Vermittlungsinstanz fungiert ein (antiker) Weiberchor, die Hundsmäuligen (Petra Morzé, Sylvie Rohrer, Sabine Haupt, Alexandra Henkel): Sie nehmen dem Drama die Schärfe, kugeln wie eine Clown-Truppe durch die Erdwälle, mal in Biedermeierkostümen, mal in uniformen Kostümen, mal schmetternd den Prozess an der Alten aufführend, mal als Mitinsassinnen derselben. Jedoch: Die Alte bleibt störrisch, jammert, ist mürrisch und strickt weiter am Schicksalsfaden, der ihre Tochter bis an den Bühnenrand treibt, wo sie sich in der Elektra versucht. Allein, es bleibt bei der Wörtlichkeit, die Tat, die Tat... darf den Männern nicht überlassen werden, so die Enkeltochter, lamentierend, ob ihres Unglücks mit denselben. Oma hat schließlich doch die Nase voll und setzt dem Leiden ein Ende. Elisabeth Orth sei Dank.  

Dienstag, 17. Februar 2015

David Wagner: Was alles fehlt


Was alles fehlt? Kühn würde ich behaupten: Der Wille zu wollen. David Wagner zeichnet in seinen 12 Erzählungen ein verheerendes Bild einer Generation, die alles hat und haben kann, die sich bloß entscheiden müsste, etwas haben zu wollen.
"Wir waren nicht lange verliebt, wir waren gleich zusammen."
Das Wollen fällt als Kategorie nicht länger ins Gewicht. Diese Generation ist und hat. Am Horizont zeigen sich mitunter Ahnungen von Wünschen, ein Wetterleuchten, aber generell heiter. Die Gewitterwolken ziehen vorbei, die Wohlstandswohligkeit bleibt im Wesentlichen intakt, "wir tun so, als sei nichts gewesen." Auch wenn man sich kurzzeitig vorstellt, dass etwas gewesen sein könnte.

Samstag, 14. Februar 2015

Gift - eine Ehegeschichte.

Wie ein Labor in strahlendem weiß erscheint die Bühne (Hans Kudlich) im Volkstheater, ein paar Warteraumstühle, zwei Türen, ein Kreuz, ein Wasserspender. Ein Mann (Günter Franzmeier) lümmelt auf einem Stuhl, breitbeinig, den iPod eingestöpselt. Sting singt und hofft: Will you stay with me, will you be my love among the fields of barley? Es soll anders kommen: Nicht der Mann hofft, er soll Hoffnung sein.

foto: apa/roland schlager

Lot Vekemans Ehegeschichte ist im Grunde eine Post-Ehegeschichte. Auf die Aufforderung seiner Ex (Andrea Eckert) hin, er solle ihre Situation beschreiben, antwortet er trocken: Ein Mann und eine Frau, die erst ein Kind verloren haben, dann sich selbst und dann einander. Und: Er hätte sich damit abgefunden. Die beiden arbeiten sich aneinander ab, müssen nachholen, was er vor zehn Jahren verweigerte, noch länger zu tun. Am Silvesterabend verließ er das Haus. Und kam nie wieder. Und sie versuchte nicht ihn auf zu halten. Sie hatten sich endgültig verloren, schließlich auch aus den Augen. Was blieb, war die Trauer. In ihren Herzen.

Sie leiden und trauern unterschiedlich: Sie, zwischen hysterisch nervös bis aggressiv wütend, er, ruhig und gefasst, rationalisierend und beschwichtigend. Es müsse schließlich weiter gehen. Es. Das Leben. Sie entgegnet, “ich mache mit, mehr kann  man von mir nicht verlangen.” Michael Schottenberg greift wenig gestaltend ein, ein Raum zwei Personen, Momentaufnahmen. Er verlässt das Labor. Sie bleibt. Die Erlösung will nicht kommen.

Freitag, 13. Februar 2015

Interstellar - oder warum Hollywood überlebenswichtig ist

War es Zufall, dass ich eben noch an einer Geschichte schrieb, wo ich mich zu erinnern suchte an jene Faszination, die Star Trek seinerzeit bei mir auslöste, für die unendlichen Weiten des Weltraums, sich konkretisierend im Moment, wo Captain Kirk seinen Navigator anwies: Energie! Oder sprach mein Vater zu mir?


Christopher Nolan nimmt in Interstellar eine Gegenwart zum Ausgangspunkt, der diese Faszination verloren ging im Angesicht des Weltuntergangs: Die Handlung setzt ein in der Dustbowl, die ihrem Namen mehr als gerecht werden soll. Sandstürme vernichten die Ernten, die Menschheit sieht sich mit dem Hungertod konfrontiert. Weshalb die alte Überlebenskunst der Bauern favorisiert wird, anstatt der Träume von Wissenschaftern. Realität wird über Geschichte transportiert, die Mondlandung als Propaganda-Aktion der USA gegenüber der UdSSR dargestellt: Man ist drauf und dran der Menschheit ihre Träume auszutreiben. (Nur über die Leiche Hollywoods!)

Jesus heißt bei Nolan Cooper (Matthew McConaughey) und ist der prototypische amerikanische Westernheld (eine der nachhaltigsten Erfindungen Hollywoods): Grenzen sind dafür da, überschritten zu werden. Er entstammt noch der Generation, wo träumen erlaubt war: "We used to look up at the sky and wonder at our place in the stars." Als solcher hat er das Potenzial, der Menschheit eine neue Zukunft mittels Husarenritt durch ein Wurmloch zu eröffnen. An seiner Seite die Tochter (Anne Hathaway) des Hirns der Mission (Michael Caine) - weshalb die eigene Tochter dem Hirn als kongeniale Assistentin und Nachfolgerin (Jessica Chastain) überlassen werden kann. Dass so ein Vatertausch nicht reibungslos von Statten gehen kann liegt auf der Hand: "I love you forever, you hear me? I love you forever, and I’m coming back. I’m coming back.“

Und wir finden uns flugs in einer interstellaren Familienaufstellung wieder, mit einem Schwarzen Loch (nicht zu verwechseln mit dem die Reise veranstaltenden wurmförmigen Bruder im Geiste) in therapeutischer Funktion. Nach erfolgreicher Sitzung im Tesserakt und Übertragung der Weltformel via Morsezeichen ist die Zukunft gerettet, Jesus überlebt und macht sich auf, ein neues Menschengeschlecht zu gründen, somewhere behind the wormhole.

It's Hollywood, stupid.



Mittwoch, 11. Februar 2015

The Salvation - oder ein langer Film für den Abspann

1871, ein dänischer Ex-Soldat, Mads Mikkelsen als Jon, der sich in der Neuen Welt ein neues Leben aufbauen will und nach sieben Jahren des Schuftens seine Frau und seinen Sohn aus der Alten Welt nachkommen lässt. Eine Bahnhofsszene wie in Sergio Leones Spiel mir das Lied vom Tod, nur ist die Zivilisation schon angekommen, geschäftiges Treiben, Menschenströme, von hier nach da, mitten drinnen die beiden Dänen, Jon und sein Bruder (Mikael Persbrandt), nervös der eine, der andere sucht ihn zu beruhigen. Der Zug fährt ein, Jon irrt hin und her, schließlich erkennt er seine Frau, blond, schön, mit einem Jungen, den er noch nie gesehen hat. Begrüße Deinen Vater. Der Bub schüchtern. Der Vater ebenfalls. Sie besteigen eine Kutsche, zuerst mit einem anderen Paar, das dann rüde ihrer Plätze zu Gunsten zweier Männer verwiesen wird. Womit die Zivilisation ihr Ende findet: Die Kutsche bewegt die Insassen in vogelfreies Gebiet.


Kristian Kevring hat mit dem Opening alles richtig gemacht, nur weiß er dann nichts daraus zu machen. Nichts, was nicht schon Sergio Leone oder Sergio Corbucci stringenter erzählt hätten  - wie etwa entlang der Genre-Konventionen die Geschichte des Kapitalismus in den USA entwickelt werden kann. Oder Michael Cimino, wenn er das Ende des Wilden Westens als Schlacht zwischen europäischen Kleinbauern und Rinderbaronen inszeniert.

Und am Ende, nach dem Showdown, hat man gar das Gefühl einem bemühten B-Movie beigewohnt zu haben, wo im Studio eine Plastikwesternwelt nach gebaut wurde, wo sogar das Blut wie Lack wirkt. Die Erlösung ist somit der Abspann.