
es ist ein merkwürdiges gefühl, das sich beim betrachten der zumeist großformatigen fotografien von
thomas demand einstellt (
derzeit im mumok) - auf den ersten blick, glaubt man sich mit menschenleeren realen orten konfrontiert. auf den zweiten blick enpuppt sich das allerdings als täuschung: die orte sind modelle, minutiös nachgebildet und fotografiert - reproduktionen des medial vermittelten blicks. verblüffend, irritierend...
eine ganz andere art von irritation verfolgt
quentin tarantino mit seinen "
inglourious basterds": in seinem am
italowestern ausgerichteten kriegsfilm wird den verbrechen der nazis eine mindestens ebenbürtig bestialische jüdische vergeltung gegenüber gestellt - was sich einerseits im nazi-schergen hans landa (wunderbarst:
christoph waltz) und andererseits im amerikanischen lt. aldo raine (bewundernswert uneitel brad pitt) kristallisiert. tja - und wie schon angesichts der ausgestellten hässlichkeit im italowestern kann das
feuilleton der lustvollen zertrümmerung der historischen und damit auch medial vermittelten tatsachen in der grammatik des kinos nicht allzu viel abgewinnen, was allerdings das vergnügen der kinolektüre nicht im geringsten einschränken sollte...
ganz anders tönt das feuilleton, wenn
michael haneke in "
das weiße band" einmal öfter den ursachen von gewalt und gewalttätigkeit auf der spur ist. das fiktive dorf eichwald gibt den hintergrund für die
"deutsche kindergeschichte", die sich rund um verbrechen und unfälle in deutschland am vorabend des ersten weltkriegs dreht. und: auch dieser film ist ein großes erlebnis. eine beeindruckende studie einer puritanischen dorfgesellschaft im vorkriegsdeutschland, deren verbotskultur zwangläufig in grausamkeit münden muss. es ist eine stille irritation, der haneke nachspürt, in hartem schwarz-weiß, kompromisslos, vollkommen humorfrei.
und es bleibt zu vermuten, dass es genau diese humorlosigkeit ist, die das feuilleton beim thema faschismus erwartet, vielmehr verlangt. weshalb ein tarantinoscher umgang zwangsläufig ablehnung erfahren muss und für irritationen sorgt. was aber an sich schon wieder durchaus humoristische qualitäten besitzt, wenn etwa jens jessen in der zeit zum schluss kommt, dass tarantino womöglich eine
filmästhetik jenseits aller moralischen absichten verfolgt... wehe! wehe! hör ich den pastor in eichwald in der dorfkirche plärren...