mehr als 30 jahre hat dieses buch schon am buckel und die diskussionen rund um das "egoistische gen" sind nach wie vor nicht abgerissen. ein paradigmenwechsel in der biologie sollte mit seiner veröffentlichung eingeleitet werden, das lorenzsche verdikt der arterhaltung wurde samt und sonders den orkus hinunter gespült. biologischer determinismus wurde dawkins vorgeworfen, er würde den menschen ("gottes schöpfung!") behandeln wie einen sack voller gene, philosophInnen, kultur- und sozialwissenschaftlerInnen wie auch biologInnen wetzten die rhethorischen messer und suchten die dawkinsschen argumente zu entkräften, allein: es blieb beim versuch.
dieses buch sollte pflichtlektüre für die menschheit sein. es enthält ähnlich fundamentale wahrheiten wie newtons principia - und ist dabei um einiges leichter zu lesen. so wie newton der welt mit dem gravitationsgesetz ein prinzip gab, das es den menschen möglich machte, von der ebene der phänomene auf die ursachen zu schließen und also dem zufall und der willkür der göttInnen (=herrscherInnen?) zu entkommen (ich empfehle hierzu insbesondere die lektüre von neal stephensons barockzyklus'), enthüllt dawkins mit seiner darstellung die logik des lebens. zum einen. zum anderen entwickelt er mit der idee des mems den grundbaustein für die kulturelle evolution analog zur darwinschen theorie - über die sich trefflich weiter nachdenken lässt...
Hab das Buch zwar daheim, aber noch nicht geschafft, es zu gelesen. Gestern allerdings in der doku über Enron (http://bit.ly/17gRPA) wurde darauf hingewiesen, dass es auch das absolute Lieblingsbuch von Jeff Skilling war, Geschäftsführer von Enron, der alle Mitarbeiter benoten ließ, und jene mit einem "Nicht Genügend" wurden gefeuert - das waren jährlich 10 Prozent der Belegschaft...
AntwortenLöschenhmmm - spricht das für oder gegen das buch? du meinst die benotung der mitarbeiterInnen hätte was mit dem egoistischen gen zu tun? warum? oder vielmehr: auf welche weise?
AntwortenLöschenspricht weder für noch gegen das buch, zeigt aber wohl nach eine gewisse lesart auf - in dem Fall die von Jeff Skilling. Ich denke, er sah sich bestärkt in seiner Einstellung, die stärkeren hätten das Recht, sich auf Kosten anderer weiter zu entwickeln.
AntwortenLöschen"das recht des stärkeren", das scheint mir ein moralisches urteil zu implizieren - und genau darum geht es dawkins nicht, glaub ich. es geht vielmehr um die logik, wie der stärkere zum stärkeren wird - und was das wiederum heißt: "stärkerer" zu sein. nämlich nicht unbedingt physisch der stärkere sondern "passend" zur umwelt... wie auch immer... auf alle fälle ein spannendes buch.
AntwortenLöschenstimt, das wäre nicht dawkins' art:) es heißt ja auch immer, dass "survival of the fittest" hierzulande einfach falsch übersetzt wurde. eben in "stärker" statt "anpassungsfähiger". Vielleicht hat Skilling einfach die Inspiration für seine (leider höchst obskuren) Geschäftsidee darin gefunden. Er hat sich nämlich sensationell gut an den Freien Markt angepasst. ZB. als er unter Vorwänden Kraftwerke in Kalifornien runterfahren ließ, um damit die deregulierten Strompreise in die Höhe zu treiben...und der Kriegsgewinnler einer inszenierten Energiekrise zu werden...
AntwortenLöschenbtw. das soll dennoch in keinster Weise Kritik an Dawkins oder dem "egoistischen Gen" sein. Ersteren schätze ich sehr, letzteres hab ich noch nicht gelesen:)