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Donnerstag, 4. November 2010
viennale: red shirley
einer (wenn nicht der höhepunkt) der viennale, fand gestern im gartenbaukino seine aufführung: der viennale direktor hans hurch durfte lou reed begrüßen und seinen film red shirley aufführen.
im grunde ein kleines, feines stück oral history, das lou reed mit dem interview seiner inzwischen 102-jährigen cousine shirley einfängt. was jetzt noch nicht die große kunst wäre, da man einer geschichte wie derjenigen von shirley schon alleine aus verblüffung über all die wendungen schon gespannt folgen würde: geboren in polen, WK I erlebt ebendort, 1928 emigriert - 19-jährig, allein, bewaffnet mit zwei koffern und keinem wort englisch - nach kanada, das dann als zu provinziell erlebt wurde, weswegen sie illegal weiter nach new york reiste, dort als näherin in der textilbranche fuß fasste (u.a. ein kleid für liza minelli fertigte) und schließlich innerhalb der italienischen gewerkschaft den widerstand anführte... allerdings beweist reed herz und humor, wenn er bei details kurz nachfragt, anmerkt, dass das jetzt wohl nicht ihr ernst sein kann (cheating?), er zeigt, dass es ihm vielmehr um die person geht, als um die geschichte. was jetzt wohl einige kritiker vermessen finden, denn das wäre ja schließlich die voraussetzung für dokumentarfilmer. man bekommt allerdings den eindruck, dass lou reed seinen film so auch nicht verstanden wissen will. red shirley soll bestimmt keine doku im herkömmlichen sinn sein, es ist eine liebeserklärung an eine bemerkenswerte frau.
das anschließende publikumsgespräch mit hans hurch und edek bartz (warum auch immer der mensch da teilnahm...) war dann mitunter durchaus lustig anzuhören. hurch erschöpfte sich in technischen details, bartz versuchte es über die geschichte - reeds antworten gerieten in der mehrzahl knapp. nachdem er die nase davon voll hatte, leitete er kurzerhand zu den publikumsfragen über - maybe we should end our little talk here, die allerdings jetzt auch nicht zu sehr viel ausführlicheren statements geführt hätten. nunja, mr. reed scheint nicht der mann der großen worte, allerdings: einen guten sager hat er immer auf der lippe...
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