Freitag, 28. Oktober 2011

viennale: the last buffalo hunt


lee anne schmitt erklärte nach der vorführung ihres aktuellen dokumentarfilms, dass es ihr eigentlich nicht so sehr um die büffeljagd gegangen wäre, als vielmehr um den frontier mythos und die darstellung desselben an hand der büffeljagd. das klingt super, war allerdings dem film leider nicht abzugewinnen.

ganz und gar nicht. der film strotzt vor unentschiedenheit. eine dramaturgie oder ein plan, wie diesem mythos auf den grund gegangen werden sollte, lässt sich - auch im nachhinein - nicht erkennen. eine off-stimme gibt zu beginn historische hintergrundinfos, dann wird der größte teil der zeit damit verbracht, einen cowboy abzufilmen, der seinen kundInnen die jagd auf bisons ermöglicht. alltagsszenen werden gezeigt, die jagd, das anpirschen, tödliche schüsse - mitunter wirklich grausam (eine frau, die drei- bis viermal auf ein tier schießen muss, bis es endlich stirbt - why won't the dumb thing die?) - manchmal bloß: good shot. in der ferne liegt ein lebloser körper. männer erzählen männerwitze und tragen camouflage-gemusterte hosen und jacken. am abend wird gitarre gespielt und country gesungen, dazu wird getrunken und geschunkelt. die position bleibt ganz und gar neutral, was ja per se nichts schlechtes ist, im gegenteil, vom dokumentarfilm durchaus erwartet werden muss: der mythos besteht demnach nur noch in nachgestellten bildern, in vorstellungen, aufbereitet von einem alternden cowboy, der eigentlich in pension gehen will.

diesen echten und also: unechten bildern werden aufnahmen aus malls gegenüber gestellt, wo bisons als staffage dienen und mit den augen rollen. recht unmotiviert kommt auch ein tierpräparator zu wort, der mitteilt, dass - um die perfekte illusion zu erreichen - es notwendig ist, die realität vor augen zu haben. so werden dann vorstellungen zu nachstellungen von vorstellungen. die echten menschen wandern unbeeindruckt von der staffage vorbei.

mitunter werden stills zwsichen die jagd- und campszenen geschnitten, der show unbewegte bilder gegenüber gestellt, etwas kontemplatives, landschaften, mitunter gebrochen durch pappmaché-indianer oder ortsschilder, die den weg ins paradies weisen: und der ist nicht allzu weit. allerdings - dort erwartet uns bloß wiederum die show: eine andere jagdgesellschaft wird abgefilmt. niemand davon kommt zu wort - was gäbe es auch noch zu sagen? der mythos? zum mythos geworden. also mythos vom mythos vom... so oft verdoppelt und wiederholt, dass nichts authentisches mehr zu entdecken ist? wirklich? ein wahrlich spannendes thema - leider grandios verbockt...

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