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Mittwoch, 30. November 2011
e.l. doctorow: homer & langley
ein historisch verbürgtes (the collyers) brüderpaar in NYC, geboren vor der jahrhunderwende durchleben sie den großteil des 20 jahrhunderts quasi ausschließlich in ihrem domizil - das erbe ihrer angesehenen eltern - in der 5th avenue. der eine blind (homer), der andere verwundet im 1. weltkrieg und psychisch derangiert (langley). wie zwei aus der zeit gefallene beckettsche figuren beobachten sie das weltgetriebe: mal partizipieren sie, mal bewerten sie, lehnen sich zurück, staunen. dieses andere leben, diese welt da draußen, bleibt ihnen ein rätsel. weshalb langley versucht ein system zu entwickeln, diese welt zu fassen: er nennt es universalzeitung. basierend auf der these, dass alles sich wiederholt, sollte sich das weltgeschehen in einer überschaubar großen menge an berichten darstellen lassen - die kunst dabei ist lediglich die kategorisierung und damit abstrahierung. was genau solange gelingt, solange keinerlei persönliche betroffenheit ins spiel kommt. was wiederum nur bedeuten kann, dass es an jedem selbst liegt, diese eine für ihn passende zeitung zu schreiben. was wiederum kurzum leben genannt werden könnte...
doctorow erzählt dieses leben, aus der perspektive des blinden homer, demnach eine halluzinierte, sich vorgestellte. es sind epsioden, ohne anspruch den zeitgeschichtlichen hintergrund auszuleuchten, nein - der blinde homer, das legt die erzählung für sich schon nahe, hat offensichtlich weit mehr gespür für die welt als langley mit hilfe all seiner zeitungslektüre entwickeln kann. vielleicht genau deswegen? am ende, als homer schließlich auch noch taub wird, das haus keine weitere geschichte mehr aufzunehmen imstande ist und langley sich selbst in die falle geht, lässt sich traum und wirklichkeit nicht mehr auseinander halten. wie auch?
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