alles was den bruckner beschäftigt: von filmen zu büchern, von musik zu web 2.0 und alten häusern, die renoviert werden müssen...
Freitag, 9. Dezember 2011
peter henning: die ängstlichen
gemeinhin wird ja vom reinigenden gewitter gesprochen - also dass nach dem gewitter die dinge klarer liegen als vorher. nun, peter henning führt mit demjenigen, dass er über hanau bei frankfurt herein brechen lässt, anderes im schilde. nicht dass es nicht blitzen, donnern und stürmen würde, es zu wenig regnen würde - im gegenteil: hanau befindet sich im katastrophenzustand. nur, die katharsis setzt erkenntnis voraus - und: was wenn selbige konstant verweigert würde?
"erkenne dich selbst", schrillt es ulrike taupitz beinahe aus jedem spiegel entgegen. was folgt, ist zumeist ein heulkrampf. ulrike ist die tochter, von johanna jansen, der zentralen figur, der als familienroman getarnten, gnadenlosen abrechnung mit dem westdeutschen traum nach 45. erbarmungslos fächert henning die großen und kleinen lebenslügen der jansens auf, indem er parallel zur meteorologischen katastrophe allen protagonisten eine prüfung auferlegt, wo er oder sie sich entscheiden kann, der erkenntnis also auch handlung folgen lassen könnte.
mit bestimmtheit kann gesagt werden, dass - quasi antipodisch zu jonathan franzens freedom - freiheit nicht das paradigma ist, rund um welches sich die deutsche wirklichkeit in hanau dreht. ganz im gegenteil, es herrscht stillstand. soll stillstand herrschen. und harmonie womöglich. es gibt nichts, wo hin gewollt wird, im sinne einer positiven entwicklung. es gibt nichts, das sinn spenden würde, seine existenz in ein größeres ganzes einbetten würde. der versuch von johanna jansen als diesen zentralen wert die familie vorzustellen geht gnadenlos in die hose. im kleinen wie im großen. trost spenden ausschließlich ensprechende legale und illegale substanzen. und der missbrauch der selben.
dem auf angst basierenden stillstandparadigma entsprechend werden die sich auftuenden chancen vermasselt - die portraitierten verharren in der schockstarre und hoffen, dass es vorbei geht. wie das gewitter. weshalb sich auch ein klein wenig hoffnung schöpfen ließe: vielleicht lernen sie es ja doch noch? nächstes mal dann? irgendwann?
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