Donnerstag, 29. Dezember 2011

an sich ist das im grunde genommen etwas demokratieverachtendes


sagt medienstaatssekretär josef ostermayer im interview mit der wiener zeitung. und wo man verleitet wäre, sofort zu sagen: ja! recht hat er! - und überrascht wäre, ob so viel anstand und ehrlichkeit von politikerseite - kommt es dann knüppeldick: ostermayer meint damit nicht, die jedes politische gefühl vermissen lassende entscheidung wrabetzs für pelinka, sondern die reaktionen darauf...

da bleibt einem kurz die luft weg - "das ist eine verhöhnung", um alexandra föderl-schmid vom standard zu zitieren - oder ganz un-ladylike: wirklich große verarsche. der preisträger des wolo2010 macht zudem eine sehr bemerkenswerte äußerung hinsichtlich seines politikverständnisses: politische parteien sind interessenvertretungen. das nennt sich dann wohl modernes politikverständnis, jenseits von jeder ideologie, ausgerichtet an den regeln der pragmatik. nein, es verwundert keineswegs, wenn sich das gefühl aufdrängt, dass diese generation von politikerInnen kein politisches wollen mehr ihr eigen nennt, dass sie - meinungsumfragengemäß - versuchen, ihre als politische ansagen getarnten phrasendreschereien zum richtigen zeitpunkt im richtigen setting zu geben, um die wirkung in der zielgruppe zu maximieren. politikerInnenverdrossenheit? überschätzt. und im grunde: wuascht. weil: wer hat denn schließlich angst vor einer leberkässemmel?

ganz bestimmt kein ostermayer, der den kärntnerInnen die ortstafeln um die ohren schlug (wofür ich nach wie vor größte hochachtung habe!), der ein windschiefes ORF-gesetz zu verantworten hat samt kniefall vor dem VÖZ und heuer auf grund der inseratenaffären rund um die SPÖ auch noch medientransparenz via gesetz versprechen musste. wiederum interessant seine infragestellung der unabhängigkeit von medien:  entweder stehe ein großer geldgeber dahinter oder die abhängigkeit aus dem anzeigengeschäft. weswegen unabhängigkeit, im ostermayerschen verständnis, unmöglich sei. was mich wieder ganz an den anfang zurück bringt: das verblüffende an dieser geschichte (und ich denke diesen paradigemenwechsel mit der neoliberalen wende ansetzen zu können) ist, dass diese generation keine moralischen werte mehr besitzt. es ist wirklich davon auszugehen, dass weder niko pelinka noch josef ostermayer diese verflechtungen als verwerflich ansieht - im gegenteil, wahrscheinlich eher als gebot der stunde ansieht. genau so, wie davon auszugehen ist, dass karl heinz grasser für sich davon überzeugt ist, dass er keine verfehlungen begangen hat, keineswegs. er hat bloß seine interessen (und die von ein paar bekannten und freunden) gewahrt. klar - und wenn man keinen sinn für die grenzen des anstands besitzt, dann ist er schlicht inexistent.

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