Mittwoch, 15. Juni 2011

ayn rand: atlas shrugged

dieses buch ist eine herausforderung - und zwar in jeglicher hinsicht. zuallererst des umfangs wegen - gute 1000 seiten taschenbuch, räudigst gedruckt, so klein wie möglich. meine inzwischen doch leicht altersweitsichtigen augen verweigerten nicht nur einmal den dienst und gaukelten mir südseestrände vor... zum anderen: die autorin verlangt dem/der geduldigen leserIn alles ab: die charaktere kommen daher wie sichs klein-hänsel bzw. gretel vorstellt - und sind also gut. oder böse. was die sache an sich ja leicht machen sollte, weil - wo keine zwischentöne, da keine aber.

sollte. ayn rand verfolgt mit ihrem opus magnum allerdings einen wesentlich größeren plan: eine philosophie soll dargestellt werden, exemplifiziert und also: aus-geschrieben und erzählt - der objektivismus. und für alle, die es bis zum schluss des ziegels nicht begriffen haben, fasst der held der geschichte, john galt, die wesentlichen aussagen in einem 56-seitigen monolog zusammen. sowas hab ich in einem vorgeblich prosaischen text in der ausgedehntheit noch nicht gelesen.

atlas shrugged beschreibt ein "zukünftiges" amerika, wo die leistungsträger (sic!) auf grund der (gesellschafts-) politischen umstände nach und nach beschließen zu streiken und also nicht weiter gewillt sind ihre leistung zu bringen, um damit einen revolitionären umsturz zu bewirken. was angesichts der aktuellen bemühungen der österreichischen politik um eben jene gruppe von personen durchaus einen interessanten kontext zur lektüreerfahrung machte - und naturgemäß die frage nach sich zieht:
who is john galt?
die frage, die den roman eröffnet und in amerika für die resignation vor einem auf kosten der tüchtigen sich sanierenden staat steht. insbesondere 2009 - als die finanzkrise g'rad fröhliche urständ' feierte - drohten die konservativen einen auf john galt zu machen und sorgten damit für einen neuen verkaufsrekord von atlas shrugged. john galt ist in rand's roman der ingenieur (=leistungsträger), der als erstes beschließt, das system nicht weiter zu unterstützen sondern vielmehr schwört:
I swear — by my life and my love of it — that I will never live for the sake of another man, nor ask another man to live for mine.
derjenige, der es sich zum lebensziel macht, den motor der welt anzuhalten und neu zu starten, der sich nicht weiter ausplündern lässt, weil er sein ganzes hab&gut den looters in den rachen stopft - denn die wissen mit seiner erfindung ja auch nichts anzufangen...

bleibt die frage: warum das ding lesen? zum einen - weil matt ruff seinen kultigen roman "sewer, gas & electric" ayn rand widmete und selbige dort als kettenrauchende künstliche intelligenz auftritt - zum anderen: weil ich mir einbildete, nach der lektüre amerika vielleicht ein stück besser zu verstehen... nunja...