Sonntag, 8. Januar 2012

Bis der Blitz einschlägt


Eine Differenzierung hinsichtlich des Entrüstungssturms gegen seine Bestellung sei von Nöten, so Niko P. im Interview mit Conny Bischofberger - das eine sei die Debatte innerhalb des ORF, wo die RedakteurInnen ihre Sorgen äußern und die entsprechend ernst genommen und ausgeräumt werden müssen, das andere seien mehr oder weniger sinnvolle Kommentare von außerhalb des ORF. Weshalb Niko P. sagt, dass es diese Differenzierung braucht, bleibt er dem/der interessierten LeserIn wie auch Conny Bischofberger leider schuldig. Dass er beweisen wolle, dass die Sorgen der RedakteurInnen unbegründet seien, hat Niko P. schon vor zwei Wochen geäußert - wir erinnern uns an den Pudding, den offensichtlich noch immer niemand essen will -, dass er allerdings noch nie eine Funktion in einer Partei gehabt hat, wie er behauptet, das ist eine Sensation. Der Leiter des SPÖ-Freundeskreis im Stiftungsrat im ORF hatte keine Funktion in der SPÖ. Nein, er bekam diese Rolle auf Grund seines sympathischen Äußeren und eloquenten Auftretens, so vermute ich. Wie gerne hätte ich gesehen, ob es zu einer leichten Schamesröte reichte, als Niko P. diese Sätze formulierte... Auf die Debatte rund um seine Person angesprochen, führt Niko P. aus, dass er sich hier in eine Blitzableiterfunktion gedrängt sieht. Leider fragt Frau Bischofberger nicht nach, für wen Niko P. denkt, Blitze ableiten zu müssen, welches Gebäude er hier schützen müsse. Geht es um die SPÖ? Den ORF? Die Buberlpartie der Laura Rudas? Diese Frage bleibt leider im Dunklen - erhellt werden allerdings Fragen rund um den Glauben: Niko P. glaubt nicht, dass die Unabhängigkeit des ORF in Gefahr sei, er glaubt vielmehr, dass die MitarbeiterInnen im ORF so frei sind wie nie zuvor, es bestünde eine gesunde, demokratische Kultur. Bezüglich der Aufforderungen von verschiedenen Seiten, dass er doch die Größe haben möge, seine Bewerbung zurück zu ziehen, antwortet Niko P., er würde seine Bewerbung so lange aufrecht erhalten, solange der Generaldirektor das möchte. Die Heinzlmaier-Nicht-Argumentation dürfte übrigens ebenfalls noch durch P.'s Hände gegangen sein, insofern er sich in der Tradition der gebashten jungen PolitikerInnen sieht, die wegen ihres Engagements nur Häme und Prügel bekämen (er verweist auf das Schicksal von Sebastian Kurz - der übrigens seinerzeit auch von Heinzlmaier ordentlich verdroschen wurde...). Zum Abschluss soll Niko P. noch darstellen, was denn sozialdemokratisch an ihm sei: Neben dem bildungspolitischen Bereich führt er ein starkes Gerechtigkeitsbewusstsein an. Leider verabsäumt es Frau Bischofberger wiederum nach zu fragen, ob denn seine Bestellung als Büroleiter mit diesem Gerechtigkeitsbewusstsein vereinbar ist. Allerdings - es ist anzunehmen, dass es vereinbar ist.

So wie sich KHG von einer Jagdgesellschaft verfolgt fühlt, so wie sich der Baron keiner Schuld bewusst ist und so wie sich all die Fälle der Unschuldsvermutung in den Fängen der Neidgesellschaft verstrickt fühlen (ich weiß sehr wohl um die Unterschiedlichkeit von strafrechtlich relevanten und einfach politisch bzw. moralisch verwerflichen Handlungen), so eint all diese Vorfälle eine Haltung, die sich selbst durchaus ein mehr vergönnt gegenüber den anderen, sich selbst Vorteile, in deren Genuss andere nicht kommen können - und keinerlei Verständnis dafür haben, dass die Anderen, so sie Kenntnis über diese Malversationen erhalten, wütend werden, machmal überzogen reagieren, persönlich diffamierend und sie dann zum Blitzableiter machen - und dann stehen sie da und der Blitz schlägt ein. Und ihnen vergeht hören und sehen.

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