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Dienstag, 17. Jänner 2012
Staatskünstler bringen Büroleiter zu Fall
Nicht Elfriede Jelineks Totenrede zur Sozialdemokratie ist hier gemeint - nein, die drei Staatskünstler in Diensten des ORF verschrotten die bei ihnen abgestellte Büroleiter, die laut Inventarliste vorher bei den ÖBB herum stand. Aber das hieße, das Kind mit dem Bade ausschütten, da sich wohl der Chef seinen Büroleiter wirklich selbst aussuchen kann - auch wenn die Position laut Gesetz öffentlich ausgeschrieben werden und eine entsprechend transparente Auswahl statt finden müsste. Wir sind ja schließlich in Österreich. Im Land, wo die Operette erfunden wurde und jeden Tag aufs Neue ihre hochoffizielle Aufführung erfährt. Wo kämen wir denn da hin? Wenn jede/r Dahergelaufene - womöglich durchaus Qualifizierte! - sich für eine Stelle bewerben könnte, wo es schon Empfehlungen von politischer oder sonstwie mächtiger Seite gibt? Die Ausschreibung ist eine lästige Pflicht, der nachgekommen wird, weil das Gesetz das verlangt - und nicht weil es gerechter und glaubwürdiger wäre. Das interessiert nicht und wird deshalb auch nicht sanktioniert. Dass sich dann noch irgend jemand über steigende Politk- und PolitikerInnenverdrossenheit wundert, nimmt wunder.
Geradezu zynisch (absurd?) wirkt dann der Einwand, dass eine Hand voll Gerontokraten ihre Felle davon schwimmen sieht und sich deshalb so gegen die Bestellung des jugendlich-dynamischen Niko P. wehrt - und umso lobenswerter ist der nachhaltige Protest der ORF-RedakteurInnen, die weder in die Falle der personalisierenden Kritik auf den neuen Büroleiter gehen noch zu eindimensional argumentieren. Der Fall Niko P. wird so zum Anlassfall auf die längst notwendigen systemischen Änderungen im ORF hinzuweisen, vom verbesserten und tatsächlich unabhängigen Aufsichtsorgan bis hin zu einem modernen Redakteursstatut. So gesehen kann man sich gar nicht genug bedanken, bei Herrn Wrabetz oder beim eiskalten politischen Auftrag der SPÖ-Parteizentrale, der das Fass zum überlaufen brachte und die ORF-RedakteurInnen zum handeln.
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