Mittwoch, 7. März 2012

Jonathan Lethem: Chronic City


Was ist New York und was genau daran ist real? Chase Insteadman - der Held der Geschichte und Erzähler, enthüllt schon via Namen: Hier passiert alles und jedes anstatt von... Alles hat mehrere Ebenen, die Bedeutung ist und bleibt immer eine konstruierte, Wahrheit ist Einbildung. Und dann ist noch immer nicht klar: Wessen?

Der ehemalige Kinderstar Chase lebt von seiner Vergangenheit und den Tantiemen selbiger, ist Everybody's Darling in der NY-Society, für die er die ewig lächelnde Tischdeko gibt und führt eine Fernbeziehung, die absoluter nicht sein könnte: Sein Herz gehört einer Astronautin, die auf einer Raumstation ihr Dasein fristet, die von einem chinesischen Minenfeld umgeben ist. Seine ganze Hoffnung legt er in einen ehemals angesehenen, schief - weil schielend und dauerbekifft - drein schauenden Rockkritiker, Perkus Tooth, der Chase die Tür zu einem anderen, wahreren NY öffnet, die ihn aus seiner Anstatt-von-Existenz erlösen soll. Seine Eltern wurden durch seinen Agenten ersetzt, seine Kindheit durch das Kinderstar-Set, sein Liebesleben durch die Inszenierung der ewigen Liebe zur in der Erdumlaufbahn verlorenen Janice Trumbull. Nur die Dechiffrierung der Alternativ-Existenz erweist sich als durchaus diffizil, da es um nichts weniger gehen soll, als um den Blick hinter die Kulissen. Allerdings - wer sagt, dass das nicht ebenfalls eine Inszenierung ist? Und wer oder was liefert dafür eine passende Erklärung?


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