Samstag, 10. März 2012

Manstein trotzt.

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Hans-Jörgen Manstein, seines Zeichens Verleger und Professor, machte von sich reden (und schreiben) indem er in einem Leitartikel im Brachenverlautbarungsorgan Horizont ausgewählte Enthüllungsjournalisten (Klenk, Nikbakhsh, Kuch und Sankholkar) "eine Gefahr für die Zukunft des Journalismus in diesem Land" nannte (ähnlich tönte er übrigens auch am Tag des Qualitätsjournalismus). So der/die Lesende ebenfalls genug von all den brisanten und/oder pikanten Enthüllungen hat und sich ob eben jener Enthüllungen Sorgen um die rechtsstaatliche Kultur in der Alpenrepublik zu machen beginnt, schlägt der Professor vor, den professoralen Leitartikel weiter zu lesen. Allen anderen anempfiehlt er die Lektüre umso mehr, denn dann würde der professorale und also pädagogische Ansatz erst wirklich greifen. "Na oisdann", wie Palfraders Kaiser zu sagen pflegt...

Absurd würde das auf den ersten Blick klingen, das sieht sogar der Herr Professor so. Allerdings: bei genauerem Hinsehen vermeint der honorige Professor zu erkennen, dass Enthüllungsjournalisten in früheren Zeiten (Alfred Worm, schau' oba!) auf Grund ihrer monate- und jahrelangen Recherchen die Fakten für Anklagen der Behörden schufen - im Gegensatz zur sich einen Lenz machenden Amtsmissbrauchs-Journaille, die mit dem Kaffeehäferl in der Hand in der Redaktion sitzt und auf den Geheimnisverrat von Beamten wartet. Weshalb erstens diese Enthüllungen keinen Neuigkeitswert (zumindest für die Behörden) besitzen würden und zweitens faire Verfahren untergraben würden, weil die öffentliche Meinung eben durch diese Enthüllungen vorab manipuliert werden würde. Und außerdem müsse man sich vor Augen führen: Dieser Journalismus bewege sich halb - wenn nicht sogar zur Gänze! - im Kriminal. Das journalistische würde dem missbräuchlich amtshandelnden Personal zumindest beitragstäterschaftlich zur Seite stehen. Und ob der ganzen Nichtstuerei in den Redaktionsstuben würde noch dazu das Handwerk in Vergessenheit geraten: die Journalistinnen und Journalisten würden nach diesen Jahren der Nasenbohrerei und der Beitragstäterschaft schlicht vergessen haben, wie eine Geschichte ordentlich recherchiert und gemacht gehört, weil sie über Jahre hinweg nur an Dankesreden für die unzähligen Journalistenpreise arbeiteten, die ihnen bei verlotterten Veranstaltungen wie etwa den Medientagen nachgeschmissen werden würden, wo sie doch eigentlich nur zu sagen hätten: Wos woa mei Leistung? Was auch der für seine anwaltliche Vertretung von Karl-Heinz Grasser republikübergreifend bekannte Manfred Ainedter ventilierte - jener journalistischen Praxis müsse das Handwerk gelegt werden, die basierend auf auf Fußmatten abgelegten vertraulichen Akten mediale Vorverurteilungen betreiben und zwar wenn notwendig mit dem Verbot der Berichterstattung über schwebende Verfahren.

Dass zweiterer auf dieser Klaviatur herum klimpert, liegt aus anwaltlichem Eigeninteresse nahe. Was allerdings Manstein geritten hat, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Augenscheinlich ist, dass Mansteins Text (ahnungslos, dumm und verleumderisch) mit einer gehörigen Portion Emotion versehen ist: Ein Wut-Verleger demnach? Der entsprechend der grassierenden Wutbürgerei seiner Wut freien Lauf lässt und eben mal schnell seinen Ruf ruiniert? Ist Manstein also in der Rubrik alte Männer zu verbuchen, die sich störrisch gegen jegliche Art von Veränderung stellt und die Angesichts der Generation Wikileaks (c Lena Doppel)  in hysterische Skandalschreierei verfällt?

Oder ist diese Attacke, wie Fritz Hausjell ausführt, nicht vielmehr im Zusammenhang mit der geplanten StPO-Novelle zu sehen, die vorsah (inzwischen kam die zuständige Ministerin Karl schwer in die Bredouille), dass die Staatsanwaltschaft anstatt den Richtern die Unterlagen zu einem anhängigen Verfahren sichtet und entscheidet, ob selbige dem Berufsgeheimnis unterliegen... Führende Strafrechtler haben die geplanten Änderungen als rechtsstaatlich bedenklich bezeichnet, im Parlament kam es zu einer lautstarken Debatte und Karl lenkte ein. Quasi als orchestrierte Aktion der Reaktion gegen aufdeckungswütige Journalistinnen und Journalisten?

Sebastian Loudon, seines Zeichens Chefredakteur von Mansteins Horizont, wo jenes merkwürdige Editorial erschien, freute sich in der darauf folgenden Ausgabe, da noch nie in der Geschichte des Verlags so viele Kommentare eingetroffen und noch nie so viele Aufrufe verzeichnet worden wären. Darüber strahlt das Sunnyboy-Antlitz, vollkommen schuld- und absichtslos. Er stellt in Aussicht, dass das noch nicht das Ende der Diskussion sei. Schön! Da freuen wir uns doch - einerseits darüber, dass der Horizont mal von ansprechenden Zugriffszahlen berichten kann, andererseits harren wir der Aussagen, die da aus dem Elfenbeinturm noch kommen werden.




Kommentare:

  1. Ich genieße ihre kritische Begleitung meines wirklich unwesentlichen Werkens ja über die Maßen - ABER SUNNYBOY!?!?!? Das nehm ich ihnen echt übel...

    PS: Ich habe mich wirklich nicht über die vielen Zugriffe gefreut, sondern sie als Indiz dafür verwendet, dass manstein einen nerv getroffen hat. Und das habe ich auch explizit so geschrieben!

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  2. Das freut mich sehr! Dass Sie meine "kritische Begleitung" über die Maßen (welche?) genießen, dass Sie mit der Beschreibung "Sunnyboy" unglücklich sind, betrübt mich natürlich. Da es in meiner Wahrnehmung Ihr offen fröhliches Antlitz über dem Horizont-Editorial überaus gut in Worte kleidet. Schade. Dass Sie Ihr Werken als "unwesentlich" beschreiben... na-na-na-na, ob Sie da nicht ein klein wenig untertreiben...
    Was Ihr P.S. angeht - ich gebe zu, das war ein bisschen provokativ formuliert - und wie ich eben sehe, gibt es im aktuellen Horizont auch eine Fortsetzung, eben eine solche war mir ein Anliegen. Danke!

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  3. OK, ich gebe ihnen recht, das foto ist dazu angetan, den "sunny boy" zu provozieren. Muss wohl ein anderes nehmen...

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