Nur weil ich paranoid bin, bedeutet das noch lange nicht, dass ich nicht verfolgt werde. Der launische Spruch erhält in Dennis Lehanes Thriller Shutter Island erstaunliche Gültigkeit - wobei das ich (US Marshal Teddy Daniels/Leonardo DiCaprio) stellvertretend für das gesellschaftspolitische Klima in den USA der 50er gelesen werden darf. Amerikanische Post-Zweite-Weltkriegsneurosen werden in einem gnadenlos dichten Szenario durchdekliniert, sodass Realitäten in ihrer Konstruiertheit bloß gestellt und Geschichte als Erzählung transparent wird und über allem die Frage schwebt: Was zum Henker heißt Wahrheit?
Nicht weiter verwunderlich, dass Scorsese in seiner Verfilmung auf die Ästhetik des Film-Noir setzt: Breitkrempige Hüte über verkniffenen Gesichtern, denen kaum ein Lächeln abzugewinnen ist. Zu tief sind die Wunden, zu präsent das Leid. Anzüge und Mäntel wie Rüstungen, die Waffe das Rüstzeug. Symbolisch genug, dass den Marshals gleich zu Beginn, beim Eintreffen auf Shutter Island die Waffen abgenommen werden. Und später gehen sie sogar ihrer Anzüge verlustig: Eine Reise ins Innere - und die führt nun mal über die Oberflächen...
Großartiger Pageturner, großes Kino!

den film habe ich geliebt, bis zuletzt. danke für den tipp mit dem buch...
AntwortenLöschengern geschehen - das ding lässt sich wirklich kaum weg legen...
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