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Freitag, 22. Juni 2012
Dreieinhalb Jahre, kein bisschen weise
Nach dreieinhalb Jahre (!) dauernden Verhandlungen zwischen VerlegerInnen und JournalistInnengewerkschaft brach am Montag Nachmittag Hermann Petz im Namen des VÖZ die Verhandlungen um einen neuen Kollektivvertrag für JournalistInnen ab. Beide Seiten beschuldigen sich nun, den Abbruch selbiger verantworten zu müssen - Petz spricht davon, dass die Gewerkschaft ein völlig neues Gehaltsschema eingefordert hätte (im Widerspruch zu ihrem eigenen Forderungspapier aus 2011), die Gewerkschaft sagt, der Abbruch sei willkürlich und überraschend passiert. Gegenwärtig fordert man sich auf, wieder an den Verhandlungstisch zurück zu kehren, gefeilscht wird um die Bedingungen.
Gewundert hat dieses Szenario freilich niemanden groß - selbstredend, einige JungjournalistInnen äußerten ihren Missmut via Twitter, allerdings: Wer sägt schon gern am Ast auf dem er/sie sitzt? Und um gleich ein weiteres Sprachbild zu verwenden: Wurde da nicht der Bock zum Gärtner gemacht? Ist der JornalistInnengewerkschaft und den VerlegerInnen tatsächlich zuzutrauen, dass sie dieses Strukturproblem zu Gunsten der Jung- und/oder OnlinejournalistInnen verändern?
Mitnichten, wage ich zu behaupten. So wie eine Bildungsreform (im Sinne von Strukturreform) nicht von den Schulpartnern ausverhandelt werden kann, oder ELGA von der Ärztekammer und den Versicherungsanstalten in gleicher Weise gewollt werden wird. Eine Interessenvertretung vertritt - wie der Name durchaus nahe legt - die Interessen ihrer Klientel. Und eben nicht diejenigen, die die Privilegien der Saturierten gern eingeschränkt hätte. Was wiederum bedeutet: Im Grunde wäre die Politik gefordert, zuerst das Strukturproblem zu lösen. Das wäre die Grundlage, um ein entsprechendes Vertragswerk zu schaffen, wo festgelegt wird, wer wofür unter welchen Umständen wie viel bezahlt bekommt.
Da nicht so schnell davon auszugehen ist, dass sich die Politik dem Strukturproblem annimmt - wie mit den zahlreichen stecken gebliebenen Reformprozessen eindrücklich bewiesen wird (Erinnern muss ich in diesem Zusammenhang an das famose "Wir sind die Zukunft"-Fahnengeschwenke), bleibt zu befürchten, dass Kopf und Bauch von prekär beschäftigten JournalistInnen noch längere Zeit in recht schizophrenen Dialogen versuchen werden, einander zu erklären, dass sie an der Misere selbst schuld sind.
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