Dienstag, 24. April 2012

Steve Earle: I'll Never Get Out Of This World Alive

Steve Earle ist naturgemäß ein alter und gern gesehener Bekannter im plattenmäßigen Dilettieren - neu für mich war die literarische Begegnung mit der Instanz des amerikanischen Country-Rocks.  Zum gleichnamigen Album legte Earle auch sein Romandebüt vor, alles zusammen eine Hommage an den Gott-sei-bei-uns der Country-Szene schlechthin: Hank Williams.

Ob das Setting auf Grund der alten Schreibwerkstättenregel zustande kam, dass man sich nur an Themen wagen soll, bei denen man sich entsprechend gut auskennt, darf bezweifelt werden: Vielmehr - so mein Eindruck - wollte Earle einem seiner musikalischen Wegbereiter ein passendes (Nach-)Denkmal errichten. Und das eben nicht nur in musikalischer Form, sondern auch literarischer. Heraus kam ein sehr persönlicher Text, vieles davon hat definitiv mit Steve Earles eigener Geschichte zu tun. Personenschilderungen sind knapp, funktionieren hauptsächlich über die Dialoge - die mitunter Songtextqualität besitzen. Und konsequenterweise ist Hank in erster Linie mal ein nervender Geist - was sonst könnte er für einen Countrymusiker sonst sein? Um dieser Situation Herr zu werden, erfindet sich Earle ein Alter Ego, das in das zweifellos unangenehme Dilemma stürzt, dem sterbenden Countryhero bei seinem letzten Ritt zu assistieren. Als Dank dafür rückt ihm der nunmehr zum Geist gewordene nicht mehr von der Pelle und nervt rum. Furios... Auch schön sind die politischen Einsprengseln, wie etwa die Euphorie rund um Jackie Kennedy in den 60ern, die offensichtlich recht massiv von den mexikanischen Einwanderern befeuert wurde - oder der Clou, dass das dunkelschwarz Böse in katholischer Kutte daher kommt... wie auch immer - schöne nette Lektüre, mit Passagen, die man durchaus auch ein zweites Mal lesen möchte.

Mittwoch, 18. April 2012

An den Stiftungsrat des ORF

Sehr geehrte Stiftungsrätinnen und Stiftungsräte,

im Online-Standard erfahre ich, dass Sie dem Redakteursrat "geschäftsschädigendes Verhalten" vorwerfen und meinen, dass die Ankündigung sich wegen der Bestellung von Thomas Prantner zum ORF-Online-Hauptabteilungsleiter an die KommAustria zu wenden, zu weit gehe.

Als Gebührenzahler und also direkt Beteiligter würde ich gerne wissen, warum Sie meinen dieses Verhalten sei geschäftsschädigend, wo doch der Redakteursrat sich gemäß dem ORF-Gesetz mit seinen Anliegen an die zuständige Behörde wendet.

Mit freundlichen Grüßen und herzlichem Dank im Voraus für Ihre Antwort,
Manfred Bruckner.

Dienstag, 17. April 2012

Neugebauer im Journalistenclub

Dem Beispiel der Deutschen Bahn folgend, schaffen auch die ÖBB den JournalistInnenrabatt ab. Der ÖBB-Vorstandsvorsitzende Kern legt die Gründe dieser Entscheidung in einem persönlichen Schreiben an alle Betroffenen dar. Armin Thurnher nimmt dieses Schreiben im aktuellen Falter zum Anlass, um Kern Tribut zu zollen: "Er beschämt uns (...)." Und meint damit die JournalistInnen, denen es offensichtlich bis zu Kerns Schreiben nicht in den Sinn kam, dass sie selbst durch die Inanspruchnahme dieser Privilegien in Verruf kommen könnten. Im Gegenteil - der ÖJC plustert sich ob der Kernschen Aussendung gleich auf, wie wenn es sich dabei um eine Interessenvertretung vom Schlage einer LehrerInnengewerkschaft handelte. "Die Diskussion über die angeblichen Privilegien von Journalistinnen und Journalisten zeigt deutliche Aspekte einer Anti-Solidarisierung in der Gesellschaft auf." Nein. Natürlich nicht. JournalistInnen haben keine Privilegien (zumindest keine, die andere MitarbeiterInnen großer Unternehmen nicht auch hätten - Stichwort: Flottenverträge...) - sondern: einen KV. Der, wie Sebastian Loudon im Horizont ausführt, ein Privileg per se ist.  Womit die Komplexität dieser Problemstellung ebenfalls ihre Benennung (Fehlende Solidarität unter Kühen?) erfuhr: Für JournalistInnen, die via JournalistInnen-KV schon eine entsprechende Privilegisierung erfuhren, ist der Verlust von Rabatten wohl wirklich recht leicht zu verkraften, da sie dieser Bevorzugungen in materieller Hinsicht in keiner Weise bedürfen. Für JournalistInnen, die sich ohne KV in sehr prekären Arbeitsverhältnissen befinden, ist der Verlust der Rabattierungen durchaus schmerzhaft - wodurch sich die Thurnhersche Beschämung wohl etwas relativiert: Mit voller Hose ist leicht stinken. 

Mittwoch, 4. April 2012

schwarzes fenster.


als ich heute morgen erwachte, war mein fenster ganz schwarz.
als ich es öffnen wollte, fand ich meine hände nicht.

weißes rauschen.


weißes rauschen im kopf und in den ohren,
nichts fixieren können, zuordnen - die schubladen bleiben leer.
alles fließt, zerfließt - um im nächsten moment form anzunehmen,
bedeutung vorzugaukeln, wo zufall und wahnsinn im paarlauf interpretationen zeichnen.
weißes rauschen.